Die meisten Menschen stellen sich unter Wasserkraftwerken riesige Talsperren oder Staudämme vor, die Wasser aufstauen und dann die normale Schwerkraft bzw. die Fließgeschwindigkeit des Wassers zur Erzeugung von Strom nutzen. Zusätzlich kann Wasser aber auch zur Erzeugung von Strom genutzt werden, wo es fast niemand erwartet: In Häfen und in Küsten wird das bei Gezeiten an- und abfließende Wasser direkt in elektrischen Strom umgewandelt. Lesen Sie mehr über diese neue Form der Energieerzeugung.
Gezeitenkraftwerke gehören zu den innovativsten Arten grüner Energieerzeugung
Die Energieerzeugung durch Wasserkraft gehört zu den Formen der Energieerzeugung, die die Kraft der Natur genutzt haben; schon lange bevor die Diskussion um die Umwelt begonnen hat. Manche klassische Wasserkraftwerke, die den Strom aus dem kontinuierlich vorbeiziehenden Wasser gewinnen, feierten schon das 100-jährige Jubiläum. Gezeitenkraftwerke sind dagegen sehr modern und innovativ. Die Grundidee könnten Sie am besten nachvollziehen, wenn Sie an einen Hafen wie Hamburg oder die Themse in London denken: Gewässer, die zur Flut mehrere Meter tief sind, haben bei Ebbe eine nur sehr geringe Wassertiefe. Das Gezeitenkraftwerk nutzt dann die Geschwindigkeit und die Kraft von abfließendem Wasser dazu Generatoren und Turbinen in Gang zu setzen und damit Strom zu erzeugen. Somit erzeugt die Kraft des Mondes indirekt grünen Strom.
Eine komplexe Technologie in der Erprobung
Die bereits installierte und leistungsfähige Kraftwerksleistung bei Gezeitenkraftwerken hält sich leider noch in Grenzen. Denn die komplexe Technologie befindet sich noch in der Erprobung und muss ganz anderen Kräften und Bedingungen gewachsen sein, wie die klassische Wasserkraft. Die an der Stromerzeugung beteiligten mechanischen Komponenten wandeln ja die Durchflussenergie des Wassers in eine Drehbewegung um. Dabei gibt es keinen einigermaßen kontinuierlichen Strom wie beispielsweise bei einem Kraftwerk direkt im Fluß. Zudem müssen alle Komponenten in beide Richtungen funktionieren, da das Wasser bei Flut landwärts und bei Ebbe wieder Richtung Küste zurückfließt. Auch stellt der hohe Salzgehalt des Wassers wesentlich höhere Anforderungen an den Korrosionsschutz. Deshalb gibt es auch noch keine großen Wasserkraftanlagen, die besichtigt werden können und die mit ihrer Stromproduktion die Öffentlichkeit beeindrucken könnten. Alleine schon die Standortwahl stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Fließgeschwindigkeit und -richtung müssen ganz konkret erfasst werden und in die Planungen integriert werden.
Auf der Suche nach der nie endenden Energiequelle
Wenn die Gezeiten Ebbe und Flut genutzt werden können, dann öffnet sich eine neue Welt der beinahe nie endenden Energieerzeugung. Denn die Gezeitenkraftwerke nutzen die natürliche Fließbewegung des Wassers, die in Häfen und an Küsten extrem stark spürbar ist. Diese ist unabhängig von Sonnenschein oder Wetter. Wenn die technischen Probleme gelöst sind, dann kann diese Art der Energieerzeugung durchaus einen größeren Anteil an den neuen Energien einnehmen. Mehr dazu hier.
(C) Markus W. Lambrecht